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Tamilischer Kalender

Posted by on 15. Juli 2012

Hinduismus: Kalender

Tamilische Schaivas – indische Vaischnavas

Tamilische Hindus aus Sri Lanka bilden die überwiegende Mehrheit der Hindus im deutschsprachigen Raum. Sie sind Schaivas. Das heisst, sie verehren als Hauptgott Schiva und dessen Familie, ganz besonders aber den elefantenköpfigen Gott Ganescha, seinen Bruder Murugan sowie die Göttin Parvati (Durga).

Hindus aus Indien – meist in der Chemie Arbeitende – sind hier eine verschwindend kleine Minderheit. Sie sind mehrheitlich Vaischnavas (Vischnuiten) verehren als Hauptgott Vischnu und seine verschiedenen Avatare, das heisst «Herabstiege» von Gottheiten.

Weil indische Hindus hier nicht organisiert sind und auch sonst nicht als Hindus in Erscheinung treten, können wir uns auf die Darstellung des tamilischen Hinduismus beschränken. Viele Inder treffen sich gelegentlich zu gesellschaftlichen oder kulturellen Anlässen.

Der wöchentliche Feiertag

Für tamilische Hindus ist der Freitag der wöchentliche Feiertag. Allerdings arbeiten sie dann und besuchen erst am Abend den Tempel. Einen eigentlichen wöchentlichen Ruhetag gibt es somit nicht.

Der Dienstag ist der zweite Tag, der geheiligt wird; er ist für Hindus der Gemüsetag, an dem sie auf manche Genüsse verzichten.

Zeitrechnung

Eigentlich war in Indien ein (oder richtiger: 30 verschiedene!) Mondkalender gebräuchlich. 1957 setzte die Regierung eine Kalenderreform durch, die zwar die indischen Monatsnamen übernahm, aber sich im Übrigen am gregorianischen Kalender orientierte.

Monate:

1. Chaitra (März/April)

2. Vaisakha (April/Mai)

3. Jyaistha (Mai/Juni)

4. Asadha (Juni/Juli)

5. Shravana (Juli/August)

6. Bhadra (August/September)

7. Asvina (September/Oktober)

8. Kartika (Oktober/November)

9. Agrahayana (November/Dezember

10. Pausa (Dezember/Januar)

11. Magha (Januar/Februar)

12. Phalguna (Februar/März)

Die religiösen Feste sind jeweils im gleichen indischen Monat, verschieben sich aber je nach Mondstand vor oder zurück.

 

Die Feste im Jahreslauf

Vergleichbar dem christlichen Kirchenjahr kennen Hindus viele religiöse Feste. Ihnen liegt die Idee der heiligen Zeit zugrunde.

Es gibt keinen Monat, in dem nicht mehrere Feste gefeiert würden. Manche Feste sind dem Lauf der Jahreszeiten und der Natur gewidmet, bei anderen werden einzelne Götter geehrt oder mythische Geschehnisse nachvollzogen.

Hindus in der Diaspora haben Schwierigkeiten, ihrer Tradition zu folgen. Normalerweise müssen sie einen Tag unbezahlt frei nehmen, wenn der Festtag nicht auf einen arbeitsfreien Tag fällt. Obwohl der Tag für das Fest genau bestimmt ist, wird die Feier manchmal auf ein Wochenende verschoben, damit möglichst viele Menschen teilnehmen können.

 

Thiruvempavai

10 Tage für Schiva Nataraj («König des Tanzes»).

In Sri Lanka duschen die Gläubigen frühmorgens und besuchen nüchtern den Tempel. Anschliessend frühstücken sie. Aus praktischen Gründen findet hier die Feier jeweils am Abend statt.

Am 10. Tag werden die Bildgestalten von Schiva Nataraj und des Dichters und Heiligen Manikkavasagar im Tempel um die Schreine geführt.

Schiva Nataraj wird in einem Flammenkreis dargestellt, wie er auf Apasmara, dem Dämonen der Stumpfheit, tanzt und ihn dadurch zermalmt.

Sein Tanz stellt seine fünf Aktivitäten dar: Schöpfung, Erhaltung, Zerstörung, Verkörperung und Befreiung.

Thai pongal

Sonnenfest (Mitte Januar)

Wenn nach der Regenzeit die Sonne, die Göttin Suryan, wiederkommt, wird sie verehrt und um gutes Wetter, und Wachstum der Saat sowie um Gesundheit gebetet.

Schivaratri

„Schiva-Nacht“ (Februar)

Schiva wird an Schivaratri in der Form des Lingam und nicht in seiner menschlichen Gestalt verehrt. Dieses Fest dauert streng genommen eine Nacht, beginnt aber am Morgen um 6 Uhr mit Fasten. 24 Stunden wird nichts gegessen und getrunken. Die Gläubigen verbringen möglichst die ganze Nacht im Tempel mit Meditation und Rezitation von heiligen Texten. 4 mal findet die Weihe des Lingam mit «Abhisekam» (Waschung) statt: Wasser, Milch etc. Nach Sonnenaufgang wird Reis gegessen. Die mystische Geschichte von der Erscheinung Schivas in der Form des Lingam wird gespielt, getanzt oder erzählt.

Varudappirappu; Puduvarscha

Neujahrsfest

Für Hindus beginnt das Jahr nicht am 1. Januar, sondern im Frühling. Die genaue Stunde des Jahresbeginns wird für jedes Jahr neu berechnet nach der Sternenkonstellation. Sie ist auch ausschlaggebend für die Wahl der Kleiderfarbe (am Neujahrstag werden nur neue Kleider getragen) und die spezielle Mischung, mit der die Haare gewaschen werden. Noch im alten Jahr wird alles geputzt; es sollte möglichst kein Stäubchen des alten Jahrs im Haus sein, wenn das neue Jahr beginnt.

Thiruvila

Jahresfest (Juli/August)

Das Jahresfest dauert mindestens 15 Tage. Die Gläubigen bitten die Gottheiten um Segen für den Tempel. Für alles, was während dem Jahr im Tempel falsch gemacht wurde, werden sie um Verzeihung gebeten.

Achtung: Jeder Tempel hat abweichende Daten!

Thiruvila hat verschiedene Höhepunkte:

– Kodiyetam

Am ersten Tag wird die Flagge am Fahnenmast Kodi feierlich gehisst.

– Sapparam

Der Hauptgott oder die Gottheiten des Tempels werden am Abend vor Ther auf einem Wagen um den Tempel geführt, um Wagen und Umgangsroute zu inspizieren.

– Ther / Rathayatra

Wagenfest

Dieses Fest wird im ganzen hinduistischen Raum gefeiert. Dabei wird ein «Deiti» (Statue eines Gottes) auf einem Wagen um das Tempelgeviert gezogen. In manchen Tempeln werden sogar mehrere Wagen verwendet für verschiedene Gottheiten,. Dort sind Ganescha, Parvati und Murugan auf je einem Wagen. Dies ist das grösste Fest., sowohl, was den Aufwand betrifft, als auch den Zustrom von Gläubigen. So kommen auch in der Diaspora ohne weiteres Tausende zusammen!

– Tirtam

Wasserfest

– Pungkâvanam

Blumenfest

– Vairavarmadai

Dankfeier für den Tempelwächtergott Vairavar, der die Thiruvila –Feier beschützt hat.

Vinayakacathurti

Ganescha-Fest

Die Bildgestalt des Gottes Ganescha wird auf einer Sänfte um das Viertel, in dem sich der Tempel befindet, herumgetragen. Damit wird für Segen für den Tempel und die Menschen gebetet. Es gibt jeden Monat ein Ganescha-Fest, das aber bescheidener gefeiert wird.

Varalakschmi Viratam / Kutuvilaka Pucai

«Lampenfest» der Frauen für ihre Ehemänner.

Raksha Bandhan

Raksha Bandhan findet am Tag des Vollmonds im indischen Monat Sravan statt. Nach dem westlichen Kalender ist das im August oder Anfang September.

Raksha Bandhan wird von tamilischen Hindus kaum gefeiert.

 

Puraddathissani Viratam

Samstagsfeiern an 3-4 aufeinander folgenden Samstagen. Frauen bringen der Himmelsgottheit Sanisvaran Opfer zugunsten ihrer Ehemänner dar.

Navaratri

«Neun Nächte».

Je 3 Nächte für Lakschmi, Schakti, Saraswati. Im Tempel ist täglich mindestens eine Puja. Mit der Bildgestalt der Göttin findet an jedem der neun Tage ein Rundgang um den Tempel statt. Ganz speziell wird dieses Fest in Schakti-Tempeln gefeiert, also Tempeln, die weiblichen Gottheiten geweiht sind. In jeder Wohnung wird gebetet. Geschenke werden verteilt.

 

– Saraswati Pudscha

Die letzte Nacht von Navaratri, der 9 Nächte für die drei Göttinnen, ist die Saraswati Pudscha. Saraswati ist die Göttin des Lernens und der Künste. Ihr offenbaren Eltern ihre Wünsche für die Förderung ihrer Kinder in der Schule.

– Vijayadaschami

Als Abschluss von Navaratri wird die 10. Nacht als „Nacht des Sieges“ gefeiert.

Dipawali – Divali

Das «Lichterfest» ist ein freudiges Fest, das von allen Hindus und Sikhs gefeiert wird. Mit vielen Lichtern wird der Sieg des Guten und Reinen über das Böse und die Finsternis gefeiert. Tamilische Hindus feiern Dipawali allerdings im Gegensatz zu Indern nur als Familienfest.

 

Gauri Puja

Gauri Puja ist das Fest der Frauen zu Ehren der Göttin Gauri, also Parvati, der Mutter von Ganescha. Die Lichterprozession der Frauen bei der Gauri Puja soll Licht in die Familie und Ehe bringen. Die Frauen nehmen Einschränkungen auf sich. Gauri Puja dauert 21 Tage.

 

Skandasasthi Viratam

In diesen 6 Tagen für Murugan werden Geschehnisse um diesen Gott nachvollzogen. Murugan ist der Befreier von Tyrannen. Viele Gläubige fasten. Die Feier hat 3 Höhepunkte: Am 5. Abend Suranpor, am Morgen des 6. Tages Fastenbrechen, am Abend Trikalyanam.

– Suranpor

Fest zu Ehren von Murugan. Die Geschichte wird im Spiel nachvollzogen: Suran war ein König, der seine Kräfte dazu missbrauchte, Terror zu verbreiten. Nach der Überlieferung wurde seine menschliche Gestalt an diesem Tag von Murugan getötet. Aufgrund vorheriger Verdienste hatte Suran von den Göttern Unsterblichkeit erhalten und konnte deshalb nicht getötet werden. Suran lebte als Vogel weiter und konnte niemandem mehr schaden.

– Trikalyanam

Hochzeit von Murugan mit seinen zwei Frauen.

Pileyar Perungkathai – Ganescha-Geschichte

Während 20 Tagen werden die Geschichten von Ganescha gelesen. Besonders der erste und der letzte Tag werden gefeiert.

Der elefantenköpfige Hindu-Gott Ganescha ist der volkstümlichste Gott. Er wird vor jeder neuen Handlung angerufen mit der Bitte, die Handlung zu segnen.

Während den 20 Tagen werden viele Geschichten um Ganescha von den Erwachsenen gelesen und den Kindern erzählt. So erfahren sie zum Beispiel, warum Ganescha einen Elefantenkopf hat und warum der eine Stosszahn abgebrochen ist. Ganescha gilt als gütig und friedensstiftend. Warum Ganescha für einmal sogar gekämpft hat, ist eine weitere Geschichte.